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Selbsterfahrung und Spiritualität

Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie. Und wenn der Mensch dieses Warum nicht mehr sieht, wird ihm auch das Wie gleichgültig.
Viktor Frankl

Spiritualität, Religion und Esoterik: eine Abgrenzung

In den Seminaren des Dr. Volker Warnke Institutes nimmt die Spiritualität einen (abhängig vom Seminartyp) unterschiedlich hohen Stellenwert ein. Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich den Wesensgehalt der Spiritualität erläutern und von den Begriffen Religion und Esoterik abzugrenzen.

Spiritualiät

Spiritualiät (von lateinisch spiritus: Geist, Sinn, Hauch) ist eine transreligiöse, transkonfessionelle Erfahrung von einem übergeordneten Ganzen (Zitat Dalai Lama). Das Bewusstsein ebenso wie das Handeln stehen in einer Beziehung zu einer höheren Wirklichkeit.

Transreligiös und transkonfessionell ist dieses Bewusstsein deswegen, weil es nicht notwendig im religiösen oder konfessionellen Sinne verstanden werden muss. Es handelt sich um eine Lebenseinstellung, eine Wertausrichtung des Menschen auf einen höheren Sinn, ein transzendentes oder göttliches Sein oder auf das „Prinzip des höchsten Wahrheit“ oder „der letzten Wirklichkeit“.
In den verschiedenen Religionen gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für diese letzte Instanz: Gott, Großer Geist (im Schamanismus), Dao (im Taoismus), Brahman (in der indischen Philosophie).

Spiritualität als Thema von C. G. Jung
C. G. Jung ging davon aus, dass der Mensch von Natur aus religiös sei. Er sprach dem Menschen eine religiöse Funktion zu, wobei er unter Religion nicht einen Verhaltenskodex oder ein Dogma oder einen Glauben verstand. Für C. G. Jung gehört das Gottesbild des Menschen zum Selbst, zum innersten Wesenskern des Menschen. Dieses Selbst strebt danach, Bewusstes und Unbewusstes zu integrieren und eine Beziehung zum inneren Gottesbild herzustellen.

Bei seiner Arbeit mit Menschen, die sich vornehmlich in der zweiten Lebenshälfte befanden, erkannte C. G. Jung einen inneren Drang, die eigene Existenz nach einem tieferen Sinn auszurichten. Für ihn ist die Psychoneurose mit einem Leiden an der Seele verbunden, die ihren Sinn verloren hat. Mein Verständnis von Spiritualität deckt sich mit der Auffassung von C. G. Jung über Religiosität.

Religion und Religionsgemeinschaften

Eine einheitliche Definition für Religion (lateinisch religio: Rückbindung), die allen Religionen in allen Aspekten gerecht wird, gibt es nicht. Charakteristisch für die meisten Religionen ist eine Weltanschauung mit einer langen Tradition, die auf einem Glauben an eine höhere, jenseitige Instanz beruht.
Religionen werden durch Religionsgemeinschaften vermittelt, die die Menschen zusammenhalten und ihren Mitgliedern eine sinnstiftende Erklärung der Welt bieten, und die ihnen Wege aufzeigen, ihr Leben anhand konkreter Regeln, Riten und Verbote auf ein höheres sinngebendes Ziel auszurichten. In den meisten Religionen haben sich Institutionen entwickelt, deren Botschaften durch ausgewählte Amtsträger (Priester, Pfarrer) an bestimmten heiligen Stätten wie Kirchen, Moscheen, Tempeln, Wallfahrtsorden vermittelt, beziehungsweise durchgeführt werden.

Esoterische Traditionen

In der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs Esoterik (griechisch esoteros: das Innere) handelt es sich um eine Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich gemacht wurde. Das Wissen wurde über die Jahrhunderte von Mund zu Mund weitergegeben oder in Geheimgesellschaften den organisierten Mitgliedern anvertraut.
Die Geheimlehren (beispielsweise Alchemie, Magie, Kabbalismus) erforderten ein jahrelanges intensives Studium, um in ihrer ganzen Tiefe intellektuell verstanden und emotional erfahren zu werden.

Das Motiv für die Beschäftigung mit einer der Geheimlehren hatte regelmäßig auch eine philosophische oder psychologische Dimension, ging es doch in erster Linie um die spirituelle und geistige Entwicklung des Adepten. Es handelte sich also um einen langjährigen Initiations-(Einweihungs-)prozess, der den Menschen auf eine höhere Bewusstseinsebene führen sollte. Dieser Prozess basierte auf einer Beziehung zwischen einem Schüler und einem Lehrer, wobei vom Lehrer eine besondere persönliche Reife vorausgesetzt wurde. War er doch im hohen Maße dafür verantwortlich, wie sich sein Schüler entwickeln würde, und dafür, wie dieser das ihm anvertraute geheime Wissen später einmal verwenden würde.

„Erleuchtung sofort“ – Esoterik als Modeerscheinung

In den letzten Jahrzehnten sind das esoterische Gedankengut und damit die esoterischen Geheimlehren – vor allem im westlichen Kulturkreis – zu einem Massenprodukt geworden. Auch wenn es in den esoterischen Richtungen, Strömungen, Techniken nach wie vor um die spirituelle Entwicklung des Menschen geht, ist der ursprüngliche Bedeutungsgehalt (Esoterik als ein nur Eingeweihten zugängliches Wissen) verlorengegangen. Es müsste also eigentlich Exoterik statt Esoterik heißen. Im Zuge dieser Entwicklung ist es zu einer Nivellierung der tiefen spirituellen Bedeutung der verschiedenen esoterischen Wege gekommen:

Das Versprechen von Instant-Lösungen bei vielen Problemen durch die Anwendung von esoterischen Praktiken (z. B. Computeranalysen von persönlichen Horoskopen, Heilarbeit mit Heilsteinen, Freizeit-Tarot, Feng-Shui-Tagesseminare und Tantra-Taschenbücher) hat dem Suchenden die Verantwortung für sein Handeln abgenommen und in ihm stattdessen die Illusion genährt, dass ihm die notwendige lebenslange konsequente Arbeit an der inneren Entwicklung und die bewusste spirituelle Ausrichtung seines Lebens (um die es schließlich auch bei den ebengenannten esoterischen Traditionen geht) erspart bleiben könnte.

So spiegelt die aktuelle Inflationierung mit esoterischen Methoden zum einen die Sehnsucht des heutigen Menschen nach spirituellen Erfahrungen wider, zum anderen bildet diese Entwicklung auch den „Zeitgeist“ ab, der verspricht, sofort und ohne eigenes Zutun von allen Kümmernissen befreit zu werden und die Erleuchtung sozusagen durch Handauflegen zu erfahren. Aus diesem Grund muß der Wert der auf dem Esoterik-Markt angebotenen Techniken relativiert werden.

Die Natürlichkeit spiritueller Bedürfnisse

Spiritualität als Erfahrung

Als Arzt habe ich es mit leidenden Menschen zu tun. Ob es sich dabei um ein körperliches oder um ein seelisches Leiden handelt, macht keinen Unterschied, wenn wir uns mit dem Gedanken der Sinnhaftigkeit einer Krankheit befassen. Je schwerer und je chronischer (langdauernder) die Erkrankung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Patienten fragen, warum gerade sie dazu verurteilt sind, so leiden müssen. Diskussionen darüber, ob die Krankheit nun einen Sinn hat oder nicht, sind hier fehl am Platze: man kann dem Leiden einen Sinn geben oder nicht. Die Frage ist, welche Einstellung im Einzelfall hilfreich ist, und welche Überzeugung die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal erleichtern.

Parallel zu meiner eigenen persönlichen und spirituellen Entwicklung und mit wachsender Erfahrung als niedergelassener Therapeut wurde ich zunehmend von Klienten konsultiert, die absolut lebenstüchtig waren, und bei denen keinerlei klinische Erkrankungszeichen erkennbar waren. Durch Veränderungen in ihrem realen Leben wurde die Sinnfrage, die für sie bis dahin kein Thema gewesen ist, bei ihnen aktualisiert. So ist z. B. die Aufnahme des Studiums der Tochter oder des Sohnes und der damit verbundene Auszug aus der Familie häufig ein Anstoß dafür, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welchen neuen tieferen Sinn die Betreffenden jetzt ihrer eigenen Existenz geben könnten.

Spiritualität in der Psychotherapie

Nach meinen eigenen Beobachtungen kann der Aspekt der Spiritualität in der Psychotherapie heute nicht mehr ignoriert werden.
Bereits 1976, während meines Medizinstudium, bekam ich die Chance, in der sozio-psycho-somatischen Klinik in Bad Herrenalb ein zweimonatiges Praktikum zu absolvieren. Ich verdanke es dem damaligen Chefarzt dieser Klinik, Herrn Dr. Walter Lechler, mich bereits als Student inspiriert zu haben, meine Wahrnehmung auch auf spirituelle Fragestellung in der Begegnung mit Klienten geschärft zu haben. Seit diesem Zeitpunkt bin ich davon überzeugt, dass bei einigen Klienten eine verantwortungsbewusste Psychotherapie ohne die Einbeziehung spiritueller Fragen nicht möglich ist.

Während meiner klinischen Weiterbildungszeit zum Facharzt für Allgemeinmedizin und zum Psychotherapeuten bin ich immer wieder Patienten begegnet, die es als sehr unterstützend erlebt haben, wenn sie merkten, dass sie sich mit spirituellen Fragen an mich wenden konnten. Unter den Patienten als niedergelassener Therapeut befand sich eine wachsende Zahl von Patienten, die selbst meditierten und/oder sich mit spirituellen Fragen auseinandersetzten. Sie suchten nach einer übergeordneten Motivation bei der Auseinandersetzung mit ihren Leiden. Später gab es häufiger gezielte Anfragen von Patienten, die nach einer stationären Behandlung in einer Psychosomatischen Klinik, die spirituelle Ansätze in ihr Behandlungskonzept aufgenommen haben. Sie suchten nach einem Therapeuten oder einer Therapeutin, die selbst offen ist für spirituelle Fragen, um sich auf ihrem spirituellen Weg verstanden zu fühlen.
Als weiterbildungsermächtigter Arzt fanden sich in meinen Selbsterfahrungsgruppen viele Kolleginnen und Kollegen, die selbst über teilweise jahrelange Erfahrungen mit unterschiedlichen Meditationsmethoden verfügten.

Ein spirituell orientierter Therapeuten steht dabei vor einer besonderen Herausforderung, nämlich darauf zu achten, dass die Beschäftigung der Klienten mit spirituellen Fragen nicht als Abwehr instrumentalisiert wird, sei es, um die Nähe zu anderen Menschen zu vermeiden oder um den Herausforderungen des Alltags aus dem Wege zu gehen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Spiritualität und ganzheitliche Medizin

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben (Ayurvedische Medizin) ist die Spiritualität in fernöstlichen, ganzheitlich ausgerichteten Auffassungen von Krankheit und Gesundheit ein wesentlicher Aspekt. Es gilt, in Übereinstimmung mit den natürlichen und den übernatürlichen – beziehungsweise kosmischen – Gesetzen zu leben und zur Harmonie mit der Umgebung zurückzufinden. Ansätze dieser Überzeugungen finden sich z. B. auch in der Homöopathie von Hannemann.

Dr. Volker Warnke Seminare zum Thema Spiritualität

Grundsätzlich ermöglichen mir meine persönliche spirituelle Entwicklung und meine beruflichen Erfahrungen, jedem Klienten und jedem Seminarteilnehmer auf seinem Entwicklungsweg zu begegnen.
Für den einen war und ist Spiritualität kein Thema, der oder die andere wird gerade zum ersten Mal mit spirituellen Fragen konfrontiert, während wieder andere seit langem selbst auf dem spirituellen Weg sind, um ihr Leben und ihr Handeln (neben der Bewältigung ihrer realen Aufgaben) einer höheren (sinnstiftenden) Motivation unterzuordnen.

Entsprechend nimmt das Thema Spiritualität in den verschiedenen Seminaren einen unterschiedlichen Schwerpunkt ein. In meinen Selbsterfahrungs-Blockseminaren sind fast regelmäßig Teilnehmer, die anderen Teilnehmer eigene Anregungen für die spirituelle Entwicklung geben oder solche, die nach spirituellen Anstößen suchen. In dem Seminar Spirituelle Selbsterfahrung steht der persönliche Austausch der Teilnehmer zu diesem Thema ebenso im Mittelpunkt wie die Vermittlung spiritueller Erfahrungen, beispielsweise durch Anleitungen verschiedener Meditationstechniken. In der Regel entscheiden sich die Teilnehmer dieses Seminars dazu, ihrer spirituellen Entwicklung wieder mehr Zeit einzuräumen, wie z. B. täglich zu meditieren, sich bei ihren Entscheidungen wieder mehr davon leiten zu lassen, ob diese geeignet sind, sie in ihrer persönlichen spirituellen Entwicklung weiterzubringen. Selbst in den NLP-Seminaren, in denen es primär darum geht, konkrete Ziel zu formulieren und diese effektiv zu verwirklichen, kommt das Thema Sinnhaftigkeit regelmäßig zur Sprache, nämlich dann, wenn sich die Frage nach dem Ziel hinter dem Ziel stellt. Ein Ziel meiner Coaching-Ausbildung ist es, es jedem Ausbildungskandidaten zu ermöglichen, diejenigen Klienten respektvoll zu coachen, für die die Frage nach dem Lebenssinn relevant ist, selbst dann, wenn der Coach selbst keinen persönlichen Zugang zum Thema Spiritualität hat.

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